Hebräisch Vol. 1.1

 

Nachdem es letztes Mal eher allgemein um das hebräische Alphabet ging, erkenne ich mittlerweile die meisten Lettern und kann Worte lautmalerisch nachvollziehen – also auf zu den typographischen Details!

Das hebräische Alphabet wird als sogenannte "Quadratschrift" konstruiert, alle Zeichen werden in Quadrate eingeschrieben, einige ganz wenige Ausnahmen nehmen nur die halbe Breite dieses Quadrats ein. Dadurch entsteht (ähnlich wie im Chinesischen) ein extrem ruhiges Bild, ähnlich dem Satz mit monospaced Schriften für das lateinische Alphabet.

Beim Zeichnen der Buchstaben (siehe mein kalligraphisches Experiment oben), fällt vor Allem auf wieviele der Zeichen auf der Grundfrom des Resch beruhen. Von 22 Buchstaben (bzw. 27, wenn man die Wortende-Sonderformen "Sofit" mitzählt) werden 8 (bzw. 11) diesem grundlegenden kleinen Winkel nach gebildet, in Reihenfolge der Abbildung oben:

    • ר – Resch
    • ב – Beth (mit horizontalem Balken unten)
    • ה – He (mit kurzer vertikaler Linie links)
    • ח –‎ Chet (mit langer vertikaler Linie links)
    • כ – Kaph (wecher Bogen nach unten links)
    • ך – Kaph Sofit (einfach nur nach unten verlängert)
    • ת‎ – Taw (so ähnlich wie das Chet, aber etwas nach innen gerückt und mit kleinem "Fuß")
    • מ – Mem (die komplexeste Form in dieser Reihe mit Balken unten und gebogenem Strich links)
    • ם – ‎Mem Sofit (komplett geschlossenen Form mit Linie unten und links)
    • נ – Nun (halbe Breite, aber mit horizontaler Linie unten)
    • ן – Nun Sofit (eigentlich nur eine gerade Linie mit Unterlänge, evtl. dekorativer Bogen oben)

Und auch die formale Verwandtschaft der übrigen Zeichen ist hoch – konstruktiv deutlich anders funktionieren nur ganz wenige, wie zB die Sofit-Form des Tzade (unterste Reihe, viertes von links). Und selbst Ausnahmen wie das Auftauchen einer Unterlänge sind fast schon systematisch: Beinahe alle Sofit-Formen verwenden sie und daneben nur der Buchstabe Quoph. Und eine echte Oberlänge hat nur das Lamed (mittlere Reihe, drittes von links).

Visuelle Aufregung entsteht erst durch die Setzung von Niqqud-Punktierungen, die teils für Vokale stehen (über und unter den Zeichen), aber auch zwischen verschiedenen Aussprachen differenzieren. So ist das zweite Zeichen hier, Beth, mit Niqqud-Punktierung (Dagesh) ein "b", ohne aber ein "v". Sie haben aber auch einfach eine nette dekorative Qualität!

Hebräische Buchstaben mit diakritischen Zeichen